Pressebericht: 19.05.2007 - Höchster Kreisblatt
Beim ersten Ortskirchentag arbeiten die drei Krifteler Gemeinden zusammen
Kirche bricht aus ihren Mauern aus
Von Ulrike Kleinekoenen
Kriftel. Normalerweise laden die Kirchen zu sich ein, zum Gottesdienst in ihre meist sakralen Bauten, zur Gruppenstunde ins Gemeindehaus. Im September wird das eine Woche lang in der Obstbaugemeinde alles anders sein, da macht sich die Kirche auf den Weg zu den Menschen. Unter dem Motto „Kriftel erlebt Kirche“ steht der erste Ortskirchentag vom 2. bis 9. September. „Alle drei Kirchen sind mit an Bord“, sagt der evangelische Pfarrer Michael Lohenner. Neben den beiden „Großen“, der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde, ist auch die Freie Evangelische Gemeinde dabei. Deren Pastor Artur Wiebe erklärt: „Gemeinsam sind wir unterwegs“, was bedeutet, dass Kirche in dieser Woche an den unterschiedlichsten Orten und Plätzen in und um Kriftel zu finden ist. Deshalb zeigt das Logo des Ortskirchentages Fußspuren, die sich ihren Weg um ein Kreuz bahnen. „Wir sind aber auch untereinander unterwegs“, vergisst Artur Wiebe nicht den ökumenischen Gedanken, wobei der katholische Pastoralreferent Dr. Thomas Hammer ergänzt, dass „wir gemeinsam auch viel mehr erreichen können“. Dass die Kirchen mehr verbindet, als sie trennt, unterstreicht der katholische Bezirksdekan Andreas Unfried: „Uns eint Jesus Christus, das Reich Gottes und der Glaube, gewollte und geliebte Menschen zu sein.“
Gemein ist allen drei Kirchen auch das Bedürfnis, die Menschen zu erreichen. Daran hapert es. Die katholische Kirche hatte bereits nach dem zweiten vatikanischen Konzil (1962-1965) damit begonnen, „Kirche einladend zu gestalten“. Doch das reicht nicht, sagt Andreas Unfried und weist auf die Statistik hin, nach der die regelmäßigen Kirchgänger nur etwa acht bis zwölf Prozent der Gemeindemitglieder ausmachen. Ein Großteil der rund 7000 Mitglieder, die alle drei Kirchen gemeinsam in Kriftel haben, sucht mit der Gemeinde kaum den Kontakt.
Auf sie zuzugehen, dafür „betreten wir ein Lernfeld, indem wir aus unseren Kirchenmauern rauskommen und in den öffentlichen Raum gehen“, beschreibt Unfried den neuen und spannenden Weg. Der Ortskirchentag wird am Sonntag, 2. September, um 18 Uhr mit einer Andacht an der Bonifatiuskapelle eröffnet. In der folgenden Woche finden Veranstaltungen mit unterschiedlichen Akzenten für Jung und Alt statt. Der Gemeindearchivar Wilfried Krementz lädt zur „Spurensuche“ in die christliche Geschichte Kriftels ein. Der Organist der Katholischen Pfarrgemeinde St. Vitus, Dr. Andreas Winckler, startet ein Chorprojekt und versucht, alle Besucher zum Singen zu bringen. Beim „perfekten Frühstück“ geht die Ratgeberautorin Cornelia Mack der Frage nach, wie Perfektionismus das Leben schwer macht. Die Rock- und Folksängerin Sarah Brendel tritt mit der Band „Velvet June“ auf. Der Kindermusiker Ludger Edelkötter veranstaltet ein Mitmachkonzert für alle Generationen. Auch die beiden Seelsorger Johannes Edelmann und Johannes Mockenhaupt, besser bekannt als die „Jojos“, sind mit ihrem Kirchenkabarett in Kriftel dabei. Beim „Kirchentalk“ beantworten die Krifteler Pfarrer im Rat- und Bürgerhaus alle Fragen, die die Besucher den Seelsorgern immer schon mal stellen wollten. Als feste Elemente sind in der Woche täglich ein Mittagsgebet um 12 Uhr und ein Abendgebet um 18 Uhr in den Veranstaltungskalender eingebettet. Um zu unterstreichen, dass „Kirche vor Ort von Menschen lebt, die einfach sprechen und nicht nur hochtheologisch“, sind Hauptpersonen der 20-minütigen Andachten Menschen, die in Kriftel bekannt sind, die man jedoch normalerweise weniger mit Glaubensfragen in Verbindung bringt. Sie stellen ihre beliebtesten Bibeltexte vor, die jeweils von einem Geistlichen der drei Kirchen aufgegriffen und besprochen werden. Ungewöhnlich wie die Personen sind auch die Plätze: Der Vorsitzende der Vereinsrings, Bodo Knopf, betet auf dem Gelände der Kleingärtner, Bundesligaschiedsrichter Lutz Wagner tut dies am Sportplatz, Hauptbrandmeister Thomas Rieger am Gerätehaus der Feuerwehr an der Schulstraße, der Vorsitzende der Kulturforums, Johann Georg Schröder, am Ziegeleipark und Bürgermeister Christian Seitz im Rathaus. Gebetet wird auch in der Bäckerei Kilb, auf dem Hof von Ortslandwirt Bernhard Schäfer und mit Andrea Weyersbach in der Gemeindebücherei. Der Abschlussgottesdienst wird von Pfarrer Unfried, Pfarrer Lohenner und Pastor Wiebe am Sonntag, 11 Uhr, gemeinsam im Freizeitpark gestaltet, wo sich ein Fest der Begegnung mit den Krifteler Kindergärten und Gemeindegruppen anschließt.
Die Erwartungen, die alle Pfarrer mit dem Ortskirchentag verbinden, haben sie aus der Erfahrung der benachbarten Gemeinden bewusst nicht sehr hoch geschraubt. „Wir glauben nicht, dass dadurch unsere Kirchen voller werden“, gibt sich Pfarrer Lohenner realistisch, der jedoch hofft, dass einige Teilnehmer zu dem Schluss kommen werden, „dass sie mit Gottes Wort noch etwas anfangen können“.
Eintritt wird nur für das Rockkonzert und das Mitmachkonzert verlangt. Trotzdem entstehen natürlich Unkosten, die sich die Gemeinden teilen wollen, die für Spenden dennoch dankbar sind und bei der Naspa Kriftel (BLZ 510 500 15) ein Konto (Nr. 203 002 610) mit dem Stichwort „Ortskirchentag“ eingerichtet haben.
Quelle: Höchster Kreisblatt vom 19.05.2007 / http://www.rhein-main.net/sixcms/list.php?page=fnp2_news_article&id=3728442

